Am 23. März 2026 fand in der Aula der Engelsburg eine 90-minütige Autorenlesung mit der Kasseler Autorin Christina Hein für die Schülerinnen und Schüler der Q2 und Q4 statt.
Im Mittelpunkt stand ihr Buch „Nie vergessen. Stolpersteine in Kassel. Porträts von Menschen“, das sich mit Schicksalen von Opfern des Nationalsozialismus und der Erinnerungskultur in Kassel auseinandersetzt.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Schulleiter Thorsten Prinz die Anwesenden. Er hob die besondere Bedeutung von Christina Heins Arbeit für die Kasseler Erinnerungskultur hervor.
Durch ihr Engagement trage sie dazu bei, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und das historische Bewusstsein gerade bei jungen Menschen zu stärken.
In einer kurzen Einführung erläuterte Christina Hein, warum es in Kassel Stolpersteine gibt und seit wann diese verlegt werden. Sie erklärte, dass die Stolpersteine ein wichtiger Teil der lokalen Erinnerungskultur seien, da sie an den letzten frei gewählten Wohnorten an Menschen erinnern, die durch das NS-Regime verfolgt, deportiert und ermordet wurden. So werde Geschichte im Alltag sichtbar und greifbar.
Besonders eindrucksvoll waren die emotionalen und mitreißenden Porträts einzelner Menschen, die Christina Hein vorstellte. Dazu gehörte das Schicksal des Kinderarztes Dr. Felix Blumenfeld, der im Alter von 69 Jahren Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde. Ebenso bewegend war die Geschichte des ungarischen Ingenieurs Werner Holländer, der bereits im Alter von 29 Jahren hingerichtet wurde. Ein weiteres besonders berührendes Beispiel war Dorrith Marianne Oppenheim, eine Überlebende des Holocaust. Als Kind wurde sie mit einem Kindertransport gerettet, während ihre Eltern ermordet wurden, als sie 14 Jahre alt war. Ihr Lebensmotto „Vergeben, aber nicht vergessen!“ verdeutlichte eindrucksvoll die Haltung, mit der sie auf ihr Schicksal zurückblickte. Auch ihr Kinderbuch „In my Pocket“ wurde in diesem Zusammenhang erwähnt.
Am Ende der Lesung hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen an Christina Hein zu stellen. Dieser direkte Austausch bot die Möglichkeit, das Gehörte zu vertiefen und persönliche Eindrücke sowie Gedanken zur Erinnerungskultur zu besprechen.
Insgesamt war die Autorenlesung eine sehr gelungene und höchst emotionale Veranstaltung. Sie leistete einen wichtigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung und verdeutlichte, wie bedeutsam gelebte Erinnerungskultur auch heute noch ist. Gerade für junge Menschen wurde erfahrbar, dass das Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus nicht nur ein Blick in die Vergangenheit ist, sondern auch eine Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft bedeutet.
Markus Junghans,
Koordinator für politische Bildung und Erinnerungskultur an der Engelsburg






